GOETHE, Johann Wolfgang von (1749-1832). Werke. Erster [-Sechs und zwanzigster] Band. Original-Ausgabe. 26 Bde. 8vo (182 x 115 mm). Mit 26 Kupfertiteln mit je einer nach Ludwig Schnorr von Karolsfeld von Carl Rahl gestochenen Vignette, 1 gest. Musikbeilage, 1 Falttafel ('Vergleichungs-Kreis der ital. und teutschen Uhr') in Bd. XXIII. sowie 1 gest. Falttabelle. Original Interims-Pappbände mit Zierrahmen aus Girlanden- und Blütenfeldern, in den Zwickeln Palmetten-Vierpass, darin Schrift: Goethe's Werke', unbeschnitten. In Halblederkassetten mit Goldprägung, Wien, Anton Strauss für Chr. Kaulfuss und C. Armbruster, 1816-22.

 

Schönes, unbeschnittenes Exemplar der Vorzugsausgabe in der seltenen Original-Broschur.

Die Werkausgabe fiel hier wesentlich umfassender und kompletter aus als Cottas Stuttgarter Parallelausgabe in zwanzig Bänden. Jeder Band der auf 500 Stück limitierten Vorzugsausgabe auf feinerem Papier - dieGesamtauflage betrug 2500 Exemplare - erhielt nebst dem Drucktitel auch noch einen Kupfertitel, der eigens von Drechsler für diese Ausgabe gestochen wurde, geschmückt mit je einer sehr hübschen, nach Ludwig Ferdinand Schnorr von Karolsfeld von Carl Rahl radierten Vignette, darunter in Bd. XVII auch Joseph Friedrich Raabes feines Portrait des Dichters. 

Goethes Verleger Cotta hatte hart mit dem Nachdruckwesen in Wien zu kämpfen. Dazu gehörte, dass er mit Billigung seines bedeutendsten Autors, diese Werkausgabe der Schriften in 26 Bänden durch die beiden Wiener Verleger Christian Gottlieb Kaulfuss (1780-1833) und Armbruster veranstalten liess. "Wohl um die Wiener-Ausgabe zu beschleunigen" sandte Cotta nicht seinen eigenen, recht fehlerhaften Neudruck, sondern Goethes Manuskripte bzw. korrigierte Drucke nach Wien. Dies erklärt die gegenüber der Cotta-Ausgabe mit weniger Fehlern und Textabweichungen behaftete Wiener Edition, die "eine für die Kritik der Cotta-Edition verwertbare und wichtige Mittelstufe darstellt" (Bernhard Seuffert). Nur in dieser Wiener-Ausgabe findet sich auch der einzige zu Lebzeiten veröffentlichte Abdruck von Goethes Verdikt: "Sind Könige je zusammengekommen, so hat man immer nur Unheil vernommen" (in Bd. II, S. 243, Z. 7-8). - Drucktitel von Bd. IX etwas bestaubt, Bd. I minim stockfleckig, Kupfertitel der Bde. XVI,  XIX und XXVI minimal stockfleckig.

Provenance: Zeitgenössischer Namenseintrag von Josef Schaffner auf Vorderdeckel der Bände II, V, XIV und XXI.

Bibliographie: Hagen 22; Goedeke IV, 3, 10, B1; Fischer, Der Verleger J. F. Cotta II, Nrn. 1039, 1083, 1144, 1183, 1234, 1297 und 1358; Rabenlechner, Streifzüge eines Bibliophilen (1931), S. 25f.; Seuffert, Goethes Erzählung 'Die guten Weiber', in: Goethe-Jahrbuch XV (1894), S. 166ff.; Unseld, Goethes Verleger (1991), S. 473f.