GOETHE, Johann Wolfgang von (1749-1832). Oeuvres dramatiques de Goethe, traduites de l'Allemand [par Frédéric Albert Alexandre Stapfer, Cavagnac et Margueré], précédées d'une notice biographique et litteraire sur Goethe [par Stapfer]. Tome premier (-quatrième). 4 Bde. 8vo (213 x 140 mm). [3] Bl., 184 S. (Notice ... ), 290 S.; [2] Bl., (1)-480 S.; [2] Bl., (1)-476 S.; [5] Bl., S. (III)-VI (Avertissement du traducteur), S. 5-514 (recte 518: Paginierungsfehler der Seiten 269-270 und 384-385). Dunkelgrüne Halbmaroquinbände von Louis Yseux [successeur de Thierry Simier relieur], mit romantischer Rückenvergoldung, Kopfgoldschnitt, sonst unbeschnitten. Paris, (C. Fardy pour) Auguste Sautelet, [1821-] 1825.

 

Sehr schönes Exemplar der ersten französischen Ausgabe der dramatischen Werke Goethes, mit der berühmten ersten kompletten Uebersetzung ins Französische von Faust Idurch Friedrich Albert Alexander Stapfer, die nicht nur Goethes Anerkennung fand sondern 1828 in der von Eugène Delacroix kongenial illustrierten Ausgabe zu Weltruhm gelangte. Goethe selbst übertrug auch die Ende April 1826 von Jean-Jacques Ampère im 'Le Globe', dem Organ der romantischen Schule, die sich für die Förderung nichtfranzösischer Literaturen einsetzte - veröffentlichte lobende Rezension der Stapferschen Edition und druckte sie, teilweise von ihm kommentiert, im dritten Heft des fünften Bandes seiner Zeitschrift 'Ueber Kunst und Altertum' (S. 131-145 und 171-176).

Enthalten sind die folgenden Stücke: Le Grand-Cophte, La fille naturelle, Le Tasse, Egmont, Stella, Les révoltés, Goetz de Berlichingen, Iphigénie en Tauride, Clavijo, Faust, La manie du sentiment, Le frère et la soeur, Le citoyen général, Jery et Baetely. Als erster der auch mit dem Namen von A. Bobée verlegten Bände erschien 1821 tatsächlich zuerst Band III, im nachfolgenden Jahr Band II, der vierte Band folgte 1823 und Band I mit Stapfers biographisch-literarischer Studie zu Leben und Werk Goethes erst 1825.

Der als zweiter Sohn des Brugger Bürgers und Diplomaten Philipp Albert Stapfer (1766-1840) geborene und von diesem nach den Methoden Pestalozzis und Campes erzogene Frédéric Albert Alexandre (1802-1892) zählte zu jener jungen geistigen Elite Frankreichs, die der Epoche der Restauration ihren Glanz gab. Ihm kommt das unbestreitbare Verdienst zu, als erster, den Franzosen die Bekanntschaft der Dramen Goethes vermittelt zu haben. - Ein frisches, unbeschnittenes Exemplar im Halbmaroquineinband des Pariser Meisterbinders Louis Yseux (aktiv 1908-1951).

Bibliographie: Sammlung Kippenberg 2448; Goethe-Kat. der Preussischen Staatsbibliothek 1932: S. 30; Quérard, La France littéraire III, 395; Brunet II, 1645; Goedeke IV/3, 41, 9, e; Marquart, Goethes Faust in Frankreich (2007), S. 75ff.; Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik - 1759-1832 (1999), S. 746; B.C. Sebastian: Von Weimar nach Paris: die Goethe-Rezeption in der Zeitschrift 'Le Globe' (2006), S. 152f.; Goethe Kat. BN Paris (1932), Nr. 622 ("Contrairement à l'assertion de Gérard de Nerval, cette traduction par M. Albert Stapfer, et non pas celle de Sainte-Aulaire, fut la première"); Mittler/Boner, Biographisches Lexikon des Kantons Aargau (1958), S. 734f.; A. Krättli, Albert Stapfers 'Faust'-Uebersetzung, in: Festschrift François Bondy 1985, S. 100ff.