GOETHE, Johann Wolfgang von (1749-1832). Die Wahlverwandtschaften. Ein Roman. 2 Teile in 1 Band. Kl.-8vo (165 x 105 mm). Vortitel, 306 S.; 340 S. Halblederband der Zeit, Rücken mit reizender Vergoldung (Fileten und Urnen), grünem Titelschild und ovalem, orangefarbenen Nummernschildchen. Tübingen, J. G. Cotta, 1809.

 

Erstausgabe. Schönes Exemplar dieses grossen Beitrags der deutschen Literatur zur Weltliteratur, "not fully appreciated until the 20th century" (James E. Wals/E. M. Weber, Goethe. An Exhibition at the Houghton Library Cambridge 1982, Nr. 19).

Das mit einem Begriff aus der zeitgenössischen Chemie betitelte Romanwerk entstand in einer Zeit, in der sich Goethe intensiv mit naturwissenschaftlichen Fragen befasste. Das Kräftespiel chemischer Elemente und Reaktionen wird im vierten Kapitel des ersten Bandes (S. 82) gleichnishaft unter den Romanfiguren erörtert: "Diejenigen Naturen, die sich beym Zusammentreffen einander schnell ergreifen und wechselseitig bestimmen, nennen wir verwandt. An den Alcalien und Säuren, die, obgleich einander entgegengesetzt ... sind, ... sich am entschiedensten suchen und fassen, sich modificieren und zusammen einen neuen Körper bilden, ist diese Verwandtschaft auffallend genug". Zu seiner Zeit von den meisten Rezensenten abgelehnt und missverstanden, erhielt das grosse Alterswerk Goethes erst mit Walter Benjamin den ebenbürtigen Interpreten. - Die Druckauflage betrug 500 Exemplare auf Druckpapier (wie vorliegend) und 1500 Exemplare auf Schreibpapier, und nur für den Verfasser zwölf zusätzliche Exemplare auf Vélinpapier.

Bibliographie: FischerM Der Verleger Johann Friedrich Cotta (2003), 704; Hagen 327; Goedeke IV, 3, 388(181); Kippenberg I, 384; Speck 2065.