LUTHER, Martin (1483-1546) [und] Ddesiderius ERASMUS VON ROTTERDAM (1469-1536). De servo arbitrio Mar. Lutheri ad D. Ersmum Roterdamum. – [Vorgebunden Erasmus von Rotterdams:] De libero arbitrio diatribe, sive collatio. 2 Werke in 1 Bd. Kl.-8vo (141×100 mm). Beide Titel innerhalb Holzschnitt-Bordüren, den zu Luthers Text schuf Georg Lemberger (Reindl H-1525.3). [192] Bl. [A-Z8, *8]. – [48] Bl. (das letzte leer). [a-f8]. Pergamentband des 16. Jhs., mit hs. Rückentitel, Rotschnitt. Wittenberg, Johann Lufft, Dezember 1525 – (Und.) Coloniae [Köln], Hero Alopecius [Fuchs], September 1524.

CHF 18’000.-

Erstausgabe von Luthers “vielleicht grösstem und zweifellos meist diskutiertem theologischen Werk” (The Oxford Encyclopedia of Reformation), zusammengebunden mit Erasmus’ Text über die menschliche Willensfreiheit in der zweiten oder dritten Druckausgabe.

Martin Luther liess sich für seine Ende Dezember 1525 gedruckte kämpferische Antwort auf Erasmus von Rotterdams fast vierzehn Monate zuvor veröffentlichtem ‘De libero arbitrio’ (Vom freien Willen) ungewöhnlich viel Zeit, zählte sie allerdings dann zu den ganz wenigen seiner Hauptwerke, die ihn auch Jahre später noch mit Zufriedenheit erfüllten.

Mit Erasmus’ bei Froben in Basel Anfang September 1524 gedrucktem Werk wurde der Bruch mit dem Wittenberger Reformator endgültig besiegelt. Ebenfalls mit September datiert wie der Basler Erstdruck wurde der Text in Köln durch Hero Fuchs (gr. Alopecius) – wohl auf Kosten des Verlegers Gottfried Hittorp – und in Antwerpen durch Michiel Hillen van Hoochstraaten erstmals nachgedruckt.

Niedergeschrieben hatte Erasmus seine Argumente für und wider die Annahme eines freien Willens in Hinordnung auf das Heil erst nach längerem Zögern und auf Drängen von Freunden und hohen Repräsentanten der katholischen Seite. Luther gestand, dass Erasmus damit den Kern der reformatorischen Lehre getroffen hatte.

provenance: Hs. Name H. Stubenreich im Fusssteg beider Titeln, mit zusätzlicher lat. Notiz (ex hac editione prima rarissima) und Stempel Collegium S. Canuti Hafniae (=Kopenhagen) auf dem Erasmus-Titel.

bibliographie: Luther: Bezzel 1116; Vander Haeghen I, 109; Knaake II, 224. und Erasmus: VD 16, E-3148; Goes, Die Druckwerke aus der Offizin des Hero Alopecius (1962), Nr. 35; Rummel/Schrag, The Erasmus Collection in the HAB Wolfenbüttel (2004), Nr. 0190.