GOETHE, Johann Wolfgang von (1749-1832), Hrsg. Zur Morphologie. - [Und:] Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie. Zus. 12 in 6 Original-Lieferungen (Bd. I: je Hefte 1-4 und Bd. II: je Hefte 1-2). 8vo (207 x 130 mm). Mit 6, teilweise gefalteten, Kupfertafeln von Carl Ermer und 1 bedruckten Falttafel ('Auge' zur S. 241 in Heft IV von Bd. I).. XXXII, 96 S., 64 S. (Index auf Hinterumschlag recto); S. (97)-256, S. (65)-96; S. (257)-304, S. (97)-240; S. (305)-368, S. (241)-384; Bd. II: [2] Bl., 64 S., 124 S.; S. (65)-160, S. (125)-220. Bedruckte Original-Broschuren, unbeschnitten. In 2 Halbleder-Schubern, mit Rückentitel. Stuttgart, [Frommann, Jena für] J. G. Cotta, 1817-24.

 

Erstausgaben der aus zwei parallel veröffentlichten Heftreihen bestehenden naturwissenschaftlichem Zeitschrift Goethes, komplett in den unbeschnittenen Original-Lieferungen.

Nach der Veröffentlichung seiner 'Farbenlehre' im Jahr 1810 widmete sich Goethe wieder vermehrt seinen literarischen Projekten, gleichwohl er auch weiterhin naturwissenschaftliche Schriften verfasste. Erst im Herbst 1816 entschloss er sich, die bis dahin entstandenen Texte zur Morphologie seinem Verleger Cotta zum Druck vorzulegen. Den alternden Dichtergelehrten trieb wohl auch der Wunsch um, mit der Zeitschrift "ein Forum für den Gedankenaustausch mit jüngeren Naturwissenschaftlern zu schaffen, die naturwissenschaftlichen Amateure zu aktivieren und schliesslich die persönlichen, institutionellen und historischen Bedingungen der Forschung unter die Lupe zu nehmen" (John Neubauer in: Wiederholte Spiegelungen).  Als eine Mischung aus 'Erkenntnissen und Bekenntnissen' enthalten die Hefte auch bio- und autobiographische Verlautbarungen Goethes. Im Zeichen des "Sich-selbst-historisch-Werdens' (Carsten Rohde) stehend, gibt das Werk auch die Geschichte von dessen Entwicklung zum und als Naturwissenschafter und Botaniker.

Alle nicht von Goethe verfassten Texte sind namentlich signiert, so finden sich in den beiden vornehmlich der Farbenlehre, Geologie und Mineralogie sowie der Meteorologie gewidmeten Bänden auch Beiträge des Chefchirurgen der Berliner Charité, Christian Ludwig Mursinna, des Botanikers Ernst Meyer, des Arztes und Naturphilosophen Carl Gustav Carus, des Anatomen Josef Wilhelm Eduard d'Alton und des Botanikers Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck. Als wichtigsten Nachtrag zu seiner Farbenlehre veröffentlichte Goethe hier seine Schrift zu den entoptischen Farben, die er auf Anregung des Physikers Thomas Johann Seebeck 1820 verfasste.

Belief sich die Druckauflage des ersten Heftes von 1817 auf 1'050 Exemplare, halbierte sie sich bis zum letzten Heft von 1824 auf 525. Neben den 500 Exemplaren auf Druckpapier wurden noch 16 'Autorenexemplare auf Schreibpapier' sowie neun auf Vélinpapier von Frommann in Jena gedruckt.

Exemplare die wie vorliegend noch alle Original-Umschläge aufweisen, sind von grösster Seltenheit, Dorothea Kuhn, die Bearbeiterin der kritischen Gesamtausgabe von Goethes 'Schriften zur Naturwissenschaft' (Bd. X A), notierte dazu: "Von dem ersten Heft konnte kein broschiertes Exemplar ermittelt werden". - Von vereinzelten kleinen Stockflecken abgesehen ein tadelloses Exemplar.

Provenance: Exlibris des Basler Schriftstellers Emanuel Stickelberger (1884-1962).

Bibliographie: Fischer, Der Verleger J. F. Cotta (2003), Nrn. 1127-1128, 1277-1278, 1404-1405, 1468-1469 und 1525-1526; Goedeke IV/3, 589-600; Kippenberg I, 526; Kuhn, Goethe. die Schriften zur Naturwissenschaft Bd. X,a, S. 722ff., 758ff., 822, 842ff., 882ff., 919ff.972ff. und Abb. I-III; Schmid, 97ff.; Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik (1999), S. 688, Nr. 19 und S. 660f.; Rohde, Spiegeln und Schweben (2006), S. 358ff.