GOETHE, Johann Wolfgang von (1749-1832). Ueber Kunst und Alterthum. 6 Bände in 18 Original-Lieferungen mit den broschierten Original-Heftumschlägen. 8vo (168 x 103 mm). Mit 5 (1 gef.) Umrissradierungen von Carl August Schwerdgeburth sowie 2 gef. Tabellen. Bedruckte Original-Broschuren, ungeöffnet (Rückenbezüge teilweise etwas beschädigt, die ersten drei Umschläge wenig bestaubt). Stuttgart, [Frommann, Jena für] J. G. Cotta, [März] 1816-32.

 

Erstausgabe. Unaufgeschnittenes Exemplar in allen Original-Umschlägen der in achtzehn Lieferungen veröffentlichten Zeitschrift.

Das während sechzehn Jahren und in unterschiedlich langen Abständen erschienene Periodikum entwickelte sich aus einer geplanten Denkschrift heraus, in der Goethe seine im Sommer 1815 im Rhein-Main Gebiet empfangenen Eindrücke vom aufblühenden Verständnis für Kunst und Altertum dieser Gegend publik machen wollte. Als "bedeutsames Zeugnis für Goethes Rezeption der mittelalterlichen Kunst- und Kulturwelt" (P. Raabe) erschien das erste Heft im März 1816. Goethe entwarf auch den illustrierten Vorderumschlag, der von Johann Heinrich Meyer in Kupfer radiert wurde. Unter der hinter einer Wolke hervorstrahlenden Sonne liegen, links und rechts von zwei Heiligenstatuen eingefasst, je ein Schwert und Krummstab, zusammen mit einem Buch, drei Gefässen und einem Grabstein als "Symbole der sterbenden Antike und des weltlichen und geistlichen Mittelalters. So werden Kunst und Altertümer, bedeutsam geschieden angeordnet, sinnbildlich dargestellt" (P. Raabe). Aus Kostengründen und weil diese wie auch die antikisierende Darstellung des Hinterumschlags der sich ändernden Konzeption der Zeitschrift nicht mehr entsprach, wurde ab dem vierten Heft ganz auf eine Bebilderung der Umschläge verzichtet.

Weit über die Hälfte der insgesamt 285 Textbeiträge schrieb Goethe, viele Fremdbeiträge sind unsigniert und können deshalb keinem Verfasser zugeordnet werden. Goethes Autorschaft verstand sich als die eines 'être collectif', wie er m Gespräch mit Frédéric-Jacob Soret, dem Uebersetzer seiner botanischen Arbeiten, hervorhob. Ein wichtiger Beiträger war Johann Heinrich Meyer (Goethes 'Kunstmeyer'), der mit dem Kürzel W.K.F. (Weimarischer Kunst Freund) signierte. Die einzelnen Hefte bilden "konzeptionelle Einheiten mit klar erkennbaren Strukturen ... und zeigen die unverwechselbare Kontur von Goethes Spätwerken: West-östlicher Divan - Wilhelm Meisters Wanderjahre - Faust II. Die Hefte Ueber Kunst und Altertum waren nicht bloss der Entstehungskontext der Goetheschen Idee der Weltliteratur, sondern wurden selbst zu ihrer literatur- und kunstkritischen Realisationsform" (H. Birus).

Auf den in aller Regel nie erhalten gebliebenen Umschlägen finden sich nicht nur die Inhaltsverzeichnisse und Verlagsanzeigen, sondern auch Nachträge und Sprüche. Die zweite Lieferung des sechsten und letzten Bandes wurde aus Ehrbezeugung an den am 14. Juni 1828 auf der Rückreise von Berlin nach Weimar verstorbenen Grossherzog Carl August nur mit einfachem schwarzem Trauerrand gedruckt.

In einem Zeitraum von 16 Jahren in zwangloser Folge aufgelegt, sank die Startauflage von ansehnlichen 2'000 Druckexemplaren kontinuierlich auf bescheidene 750 Exemplare. Das achtzehnte und letzte Heft wurde postum von Goethes Freunden ediert. Darin findet sich auch der Abdruck von zwei Briefen Goethes, in denen er den Abschluss seines allerletzen literarischen Werks, 'Faust. Zweiter Teil' vermeldet. Ueber die einzelnen Lieferungen verstreut finden sich noch weitere aufschlussreiche Hinweise zur Entstehungsgeschichte des zweiten Teils von Goethes Lebenswerk. - Hinterumschlag von Heft 1 des VI. Bandes lose; der erste Band ab S. 120 bis zum Schluss im Fusssteg wasserrandig, gelegentliche Stockflecken, das Papier wie üblich minim gebräunt.

Provenance: Exlibris P[ierre?] Joukovsky, mit Engel und dem Schriftzug Adoremus, oben links ein Staurogramm.

Bibliographie: Fischer, Der Verleger J. F. Cotta (2003), Nrn. 1067, 1124, 1167, 1222, 1276, 1341, 1402, 1464, 1522, 1584, 1672, 1745, 1838 und 2240; Goedeke IV/3, 542-571; Hagen 487; Kippenberg 525; Dorn 345; Diesch 1644; Kirchner 4115; Kat. der Bibliothek Otto Deneke in Göttingen (1909), Nr. 478; Schmid, 97ff.; Hahn, Goethes Zeitschrift 'Ueber Kunst und Alterthum' in: Goethe-Jb. 1975, S. 128-139; Estermann, Die deutschen Literaturzeitschriften 1815-1850 Bd. II, S. 122f., Nr. 2.75; Hirzel A 327; Birus, Hrsg. Goethes Sämtliche Werke XX (1999), S. 661; Raabe, Goethes Umschlag zu Kunst und Altertum, in: Bücherlust u. Lesefreuden, S. 251ff.